Mekong-Delta wir kommen

23. Februar 2010

Xin Chao liebe Leser,
es meldet Reda El Scherif aus Vietnam...

Zuerst einmal möchte ich die vollen Namen bzw. die echten Namen von Bruder Jerome und seiner Nichte Lien mitteilen. Der Name der in seinem Pass steht lautet Nguyen Duc Manh und Ihr voller Name ist Bui Thi Mai Lien. So das wäre geklärt.

Am Sonntag dem 21.02.2010 hat sich dann unsere Gruppe auf den Weg nach Cao Lanh, in der Provinz Dong Thap, gemacht. Hier wurden wir wieder von offiziellen Vertretern des Sozial und Gesundheitswesen der Provinzverwaltung in Empfang genommen. Hier durchliefen wir die gleiche Abfolge wie in Tien Ciang (siehe Vietnamreport II).

Am nächsten Morgen machte sich unser achtköpfiges Team mit einer sechsköpfigen Gruppe der offiziellen Vertreter inkl. Kameramann und Redakteurin des regionalen Fernsehsenders auf die  gut einstündige Fahrt ins Mekong-Delta. Dort besuchten wir vier Familien.

Dieses Gebiet ist sehr ländlich und es waren lange Wege zurückzulegen, um zu den Kindern zu kommen.

Alle herzkranken Kinder waren schon vom Team der Stiftung Wirtschaft hilft Hungernden besucht worden und es gab schon feste Operationstermine, welche den Familien beim Besuch mitgeteilt wurden.

Im Gegensatz zu den Terminen in Tien Ciang gab es glücklicherweise keine dramatischen Überraschungen bezüglich irgendwelcher Zusatzerkrankungen wie z.B. die Tumore der beiden Jungen aus der vorher besuchten Provinz.

Und doch war es teilweise schwer für mich zu verstehen, wie diese Menschen unter oft primitivsten und hygienisch bedrohlichen Bedingungen gesund bleiben sollen. Immer wieder taucht die Problematik des keim und giftfreien Brauchwasser auf.

Die zwölfköpfige Familie der sechsjährigen Le Thi Ngoc Tram lebt in einer ohne Genehmigung gebauten kleinen, baufälligen Holzhütte direkt am Fluss und die Kinder schlafen ohne Matten auf dem Lehmboden.

In einer Familie brachte die Mutter der siebenjährigen herzkranken Nguyen Thi Thuy Duy zur Sprache, dass Sie unter Gebärmutterproblemen leidet und das es in der Nachbarschaft vielen Frauen so geht.

Am Montagnachmittag hatten wir noch Termine mit drei Kindern im Stadtgebiet bzw. dem direkten Umkreis von Cao Lanh.

Ich war ziemlich überrascht als ich nach dem Mittagessen ins Auto stieg und wir nicht einmal fünf Minuten brauchten um zum Wohnort des nächsten Kind zu kommen. Der Wagen hielt mitten in der Stadt vor einer Bierhalle (lokale Kneipe) und ich hielt es für einen netten Zug der Offiziellen uns nach dem Essen auf ein paar Drinks einzuladen.
Doch wir durchquerten die Bierhalle und auf einmal war nichts mehr vom städtischen Leben zu spüren. Nach dem Verlassen der Bierhalle sahen wir wieder die gleichen desolaten Wohnverhältnisse wie am Vormittag.

Der Vater der achtjährigen herzkranken Huynh Thi Kim Thao ist Leihbauarbeiter (Tagelöhner) und hat seiner Familie aus gebrauchtem Wellblech, Asbestplatten, Restholz und anderen Baumaterialien, welche er von der Baustelle mitbringt ein geräumiges Haus gebaut. Als wir zu Ihnen ins Haus kamen waren alle Anwesenden bereits schweißüberströmt...wir zwei Minuten später dann auch.

Claus Ruff hat sich dann mit dem gelernten Bauarbeiter zusammen gesetzt und mit Ihm eine Kalkulation der Baumaterialien erstellt, um die Wohnsituation nachhaltig zu verbessern.

Der Dienstag brachte uns zu vier Familien die in einem Gebiet knapp eine Stunde von Cao Lanh entfernt leben. Wie bei den schon zuvor besuchten Familien war es bei drei der vier Familien außer Frage, dass Sie unter gar keinen Umständen in der Lage sind das Geld für die lebensrettende Operation Ihres Kindes aufzubringen. Das vierte Kind hingegen lebte ,für vietnamesiche Verhältnisse, nicht in Armut und war nicht ,anders als die meisten herzkranken Kinder, welche ich gesehen habe von Mangelerscheinungen, Unterernährung und genereller Schwäche betroffen. Dieses Mädchen war dem Team von SWHH nur durch ein Foto bekannt und der Besuch bei Ihr wurde von den Offiziellen der Provinzverwaltung terminiert, welche als Funktionäre für die (realexistierende) sozialistische Republik Vietnam arbeiten.

Nachdem bereits zwei Familien in der Provinz Tien Ciang, welche auch von den dortigen Offiziellen ausgesucht wurden, die Finanzierung auf Grund fehlender Bedürftigkeit nicht gewährt wurde, drängt sich der Verdacht auf, dass bestimmten Familien über Beziehungen zur jeweiligen Provinzverwaltung , z.B. durch ihren Status als Kriegsheld, ungerechtfertigte Vorteile verschafft werden sollen.

Es ist für alle Beteiligten dermaßen bedrückend und traurig einer Familie mitzuteilen, dass eine Operation nicht finanziert wird.

Deshalb kam es nach diesem Besuch zu einem Gespräch mit den Offiziellen, ebenso wie in Tien Ciang Tage zuvor, dass in Zukunft sicher gestellt sein muß, dass die Familien wirklich bedürftig sind. Es wurde uns von Seiten der Provinzverwaltung mitgeteilt, dass Sie alles Mögliche tun, um die Operation des Kindes schnellstmöglich zu realiseren.
Niedergeschlagen, aufgrund des Erlebten machten wir uns auf die Rückreise nach Saigon.

In Saigon angekommen traf ich mich am Abend mit den Jungs des Son Ky Childrenstar  Orphange. Ich konnte dabei sein, wie die von uns bestellte Tischtennisplatte geliefert wurde, welche sofort mit ein paar Partien Rundlauf eingeweiht wurde.

Am heutigen Mittwochmorgen besuchte ich mit Bruder Jerome einen Schreiner um Ihn nach Möglichkeiten einer Ausbildungsstelle  für einen der Jungs zu befragen, der Handwerker zeigte uns seine Werkstatt und signalisierte sein Interesse. Als ich mit Bruder Jerome und Claus Ruff am Mittag eine Immobillie besichtigte, welche zum Verkauf steht und ideal für die Nuzung als Waisenhaus ist, rief die Frau des Schreiners an und bat darum, dass der Junge sich in der Schreinerei vorstellt.

Am späten Nachmittag war dann die Stunde der Wahrheit gekommen. Wir tafen uns zur Revanche (siehe Vietnamreport I) leider war es auch diesmal für mein Team nicht möglich das Fußballtunier für uns zu entscheiden. Aber in den nächsten Tagen werden wir bestimmt noch einmal die Möglichkeit zur Revanche bekommen.

Ich melde mich wieder..

Reda El Scherif 

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